Viele Unternehmer fragen sich: Wie viel ist mein Unternehmen wert? Kennen Sie „Ihren“ Wert?

Für viele Unternehmer ist es eine wichtige Frage für die Planung des Ruhestandes: Wie viel ist mein Unternehmen wirklich wert? Gerade, wenn der Verkauf des eigenen Unternehmens den Ruhestand sichern soll und auch noch persönliche Haftungen (beispielsweise im Rahmen der Unternehmens Finanzierung) aufgehoben werden müssen.

Prinzipiell lässt sich der mögliche Wert und Kaufpreis eines Unternehmens am schnellsten mit dem Multiplikationsverfahren ermitteln. In diesem Wertermittlungsverfahren wird das Ebit, also der Gewinn des Unternehmens, vor Zinsen und Steuern, mit einem Durchschnittswert, der je nach Branche variieren kann, multipliziert.

Um einen wirklich realistischen Wert bzw. Substanzwert im Geschäfts Verkehr für den möglichen Verkauf Ihres Unternehmens zu erhalten, sollten Sie jedoch einige wichtige Punkte bei der Berechnung beachten:

– Bedenken Sie, dass sich ein möglicher Käufer, der Nachfolger Ihres Unternehmens, beim Kaufpreis auch immer am Ertrag Ihres Unternehmens in der Zukunft orientieren wird. Lassen Sie also hier die „Kirche im Dorf“ und geben Sie einen wirklich realistischen und erzielbaren Ertrag für die Zukunft vor.

Ein entscheidender Faktor ist die Rechtsform des Unternehmens

– Handelt es sich um eine Kapitalgesellschaft wie etwa eine GmbH oder eine AG, ist bei der Ermittlung und Berechnung des Ebit zu berücksichtigen, ob das bisherige Gehalt der oder des Geschäftsführers oder auch das Vorstandsgehalt den marktüblichen Gegebenheiten der Branchen Praxis entspricht. Übersteigt beispielsweise das Gehalt diese Gegebenheiten um 40.000 Euro, so muss dieser Betrag zum Ebit, durch das übliche Ertragswert Verfahren, hinzugerechnet werden. Im umgekehrten Fall gilt selbstverständlich auch die Regel, dass, wenn das Gehalt des Chefs unter den marktüblichen Gegebenheiten liegt, ein Abzug vom Ebit erfolgen muss. Nur mit einer solchen Überprüfung und gegebenenfalls der Anpassung durch Controlling Sachverständige erzielt man realistische Werte.
– Ist das in Frage stehende Unternehmen eine Personengesellschaft, so muss vom vorhandenen Ebit ein übliches Geschäftsführergehalt in Abzug gebracht werden. Gerade hier unterliegen viele Unternehmer dem Trugschluss, das durch das Bewertungsverfahren ermittelte Ergebnis Ihres Unternehmens ohne diesen wichtigen Faktor zu betrachten.

Neben dem Multiplikationsverfahren, also dem in der Wirtschaft üblichen Bewertungsverfahren, gibt es auch einige andere Methoden, um den Wert, beispielsweise den Liquidationswert und Substanzwert, oder Kaufpreis eines Unternehmens zu beziffern.

Das vereinfachte Ertragswertverfahren

Viele Unternehmer kennen dieses Verfahren, das Ertragswert Verfahren, beispielsweise als Methode zur Prüfung und Ermittlung des Unternehmenswertes der Finanzämter, um etwa die Schenkungs- oder Erbschaftssteuer zu berechnen. Die Finanzbehörden ermitteln hier das durchschnittliche Betriebsergebnis der letzten drei Jahre und multiplizieren diesen Wert mit einem jährlich neu festgelegten Multiplikator. Ähnlich muss man sich als Unternehmer bei der eigenen Existenzgründung diese Form der Wertermittlung auch vorstellen, allerdings nicht mit den Multiplikationswerten der Behörden (derzeit bei 18,21). Ein Beispiel: Für kleine Unternehmen (Small Cap) aus der Branche Elektrotechnik/Elektronik ergibt sich für Januar/Februar 2013 hinsichtlich des Gewinnmultiplikators (EBIT) eine Bandbreite zwischen 5,4 und 7,1. Bedenken Sie aber, dass sich der wirkliche Verkaufspreis Ihres Unternehmens in der Praxis immer nach Angebot und Nachfrage regeln wird. Als grobe Orientierungshilfe sollte der Grundsatz dienen, wonach ein Verkaufspreis nur realistisch ist, wenn er in den nächsten fünf bis acht Jahren auch aus den Erträgen des Unternehmens erwirtschaftet werden kann.

Das Substanzwertverfahren

Unter dem Substanzwert versteht man den Verkehrswert des gesamten Firmenvermögens, also den Marktwert der Anlagegüter, Geräte, Immobilien usw. abzüglich der Schulden. Viele Unternehmer betrachten ihr Unternehmen über die Substanzwerte, bedenken Sie aber, dass dieser Wert, ermittelt durch das Substanzwertverfahren, eher für kleinere Unternehmen Anwendung findet und die immateriellen Werte hier keine Berücksichtigung finden.

Das Ertragswertverfahren

Der Wert eines Unternehmens wird im Ertragswertverfahren danach ermittelt, wie viele Überschüsse ein Käufer oder Investor mit dem Betrieb erwirtschaften kann. Zunächst wird der durchschnittliche Ertrag des Unternehmens vor Steuern der vergangenen drei Jahre ermittelt, danach die Erträge der kommenden drei Jahre auf Grundlage dieser Daten aus der Vergangenheit geschätzt. Die Summe des sich daraus ergebenden Betrages wird dann durch einen Kapitalisierungszinssatz geteilt. Der Kapitalisierungszinssatz setzt sich zusammen aus dem Zins, der mit einer risikolosen Anlageform zu erzielen ist, und einem Zuschlag für das unternehmerische Risiko. Bei kleinen und Mittelstand Unternehmen liegt dieser Satz in der Regel bei 15 bis 20%. Ein Beispiel: Beträgt der durchschnittliche Gewinn beispielsweise 200.000 Euro und der Kapitalisierungszins 20%, so ergibt sich ein Unternehmenswert von 1.000.000 Euro. Dieses Ertragswertverfahren ist wohl das am häufigsten angewendete Verfahren und auch die anerkannteste Methode. Das Hauptproblem beim Ertragswert ist die möglichst objektive Ermittlung der zukünftigen Erträge sowie die korrekte Ermittlung des Zinssatzes.

Das Vergleichswertverfahren

In diesem Verfahren ermittelt man den Wert des Unternehmens mittels Vergleichsdaten. Besonders in Branchen, in denen viele vergleichbare Unternehmensverkäufe vollzogen werden, kennen Kammern und Verbände diese Werte recht genau. Da das Vergleichswertverfahren einfach in der Anwendung ist, dient es häufig als erste Richtgröße bei Unternehmensbewertungen. Besondere Vorteile eines Unternehmens lassen sich mit diesem Bewertungsverfahren jedoch nicht abbilden.

Die Unternehmensbewertung und der Verkaufspreis

Der tatsächliche Preis für ein Unternehmen reguliert sich über Angebot und Nachfrage. Der Unternehmenswert, der vom Inhaber durch den Verkauf seines Betriebes erzielt werden kann, ist der Marktwert des Unternehmens. Daher ist es wichtig, von vornherein zu wissen, welchen Marktwert das Unternehmen besitzt.

Es empfiehlt sich also, eine Analyse erstellen zu lassen, um den Wert ihres Unternehmens zu ermitteln. Beschäftigen Sie sich als Verkäufer auch mit den verschiedenen Wertermittlungsmethoden. Dadurch erhalten Sie einen Einblick in die Denkprozesse des Käufers. Das könnte Ihnen einen Vorteil bei der Planung der Verhandlungsstrategie verschaffen. Jedoch sind unbewegliche Formeln beim Analysenprozess wenig aufschlussreich, was den Wert eines Unternehmens betrifft. Sie liefern lediglich Anhaltspunkte.

Anfang der neunziger Jahre war ein Verkauf von Unternehmen der Zeitarbeitsbranche kaum durchführbar, da die Nachfrage nach solchen Unternehmen gering war. Unternehmen der Zeitarbeitsbranche erzielten damals kaum bis gar keine Gewinne. Als Folge davon wurden die Unternehmen häufig zum doppelten Jahresgewinn verkauft. Diese Situation änderte sich Mitte der neunziger Jahre, als diese Unternehmen zum vierfachen Jahresgewinn verkauft wurden. Ende der neunziger Jahre waren die Umsätze und Gewinne dieser Branche so hoch, dass sich sogar ausländische Unternehmen auf dem deutschen Markt etablieren wollten und somit aufsehenerregende Übernahmen zustande kamen. Die Innovation war, dass der Verkaufspreis für solche Unternehmen nicht mehr durch die Orientierung am Gewinn erfolgte, sondern am Umsatz. Als Folge dieser Neuorientierung wurde für ein größeres Unternehmen achtzig Prozent vom Umsatz gezahlt, was in etwa dem fünfzehnfachen Jahresgewinn entsprach. Auch kleinere Unternehmen aus Industrie und Handel generierten von nun an einen Verkaufspreis, der das achtzehn- bis sogar dreißigfache des Jahresgewinns betrug. Sie sehen, dass der Zeitpunkt und die aktuelle Lage in Ihrer Branche sehr großen Einfluss auf Ihre Ertragsaussichten und die Ermittlung des Unternehmenswertes haben können.

Nicht immer tätigt ein Unternehmer den Verkauf seines Unternehmens aus rein finanziellen Gründen. Deshalb ist es sinnvoll, die wahren Motive für einen Verkauf zu analysieren und in den Vordergrund zu stellen, um das Erreichen der verfolgten Ziele zu gewährleisten. Eine schriftliche Fixierung der Ziele für einen Abgleich mit dem eingehenden Kaufangebot ist daher sinnvoll.

Im Nachfolgenden werde ich Ihnen einen Überblick über die Preisfindung, die geläufigsten Methoden für die Wertermittlung eines Unternehmens, die jeweiligen Vor- und Nachteile sowie einige Orientierungshilfen bei der Existenzgründung geben.

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Wie viel ist mein Unternehmen wert?
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Viele Unternehmer fragen sich: Wie viel ist mein Unternehmen wert? Kennen Sie „Ihren“ Wert? Um einen wirklich realistischen Wert für den möglichen Verkauf Ihres Unternehmens zu erhalten, sollten Sie einige wichtige Punkte beachten.
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